BJCP Bierbewertung & Punktevergabe

Bewertungsstrategien

Es gibt zwei unterschiedliche Entscheidungsstrategien, die man als Juror bei der Bewertung eines Biere anwenden kann. Zum einen ein Top-Down-Ansatz bei dem der Juror dem Bier eine Gesamtpunktezahl gibt, die dem Gesamteindruck der Qualität des Bieres entspricht um dann Punkte für jeden Mangel abzuziehen. Ein Schwachpunkt dieses Top-Down-Ansatzes zur Bierbewertung besteht darin, dass es schwierig ist sicherzustellen, dass die Punkte die jeder Unterkategorie (z. B. Aroma, Aussehen, Geschmack, Körper) zugewiesenen werden, dann auch mit dem Kommentar übereinstimmen, die zu diesem Merkmal des Bieres abgegeben wurde. Beim Bottom-up-Ansatz bewertet der Juror jede Unterkategorie des Bieres einzelnd indem er Punkte für Mängel abzieht. Die Gesamtpunktzahl ergibt sich dann aus der Summe der Punkte für jede Unterkategorie. Das Problem bei diesem Bottom-up-Ansatz zur Bierbewertung ist, dass leicht eine Gesamtbewertung für das Bier zustande kommt, die nicht mit dem Gesamteindruck des Bieres übereinstimmt.

Viele Juroren verwenden deshalb eine Kombination dieser beiden Extreme. Unabhängig davon, welcher Ansatz für den einzelnen Juror besser passt, gibt es mehrere allgemeine Richtlinien, die die Juroren befolgen sollten, wenn sie Biere mit Punkten bewerten. In den aktuellen BJCP-Bewertungssystemen wird jedes Bier auf einer 50-Punkte-Skala bewertet, wobei 12 Punkte für das Aroma, 3 für das Aussehen, 20 für das Aroma, 5 für das Mundgefühl und 10 für den Gesamteindruck vergeben werden. Darüber hinaus wird das Bier noch nach der Stiltreue, der technischen Durchführung und dem Gesamteindruck des Genusses bewertet.

 

Bewertungshilfe

Die Gesamtpunktzahl sollte den Beschreibungen des Punktebereichs entsprechen. Hervorragende Bewertungen (38-44) sollten für Biere vergeben werden, die hervorragende Repräsentanten ihres Stils sind. Sehr gute Bewertungen (30-37) repräsentieren sehr guten sehr gute Vertreter ihres Stils, die nur geringfügige Mängel oder Abweichungen aufweisen. Gute Bewertungen (21-29) sollten an Biere vergeben werden die den Stil gut vertreten, aber Mängel aufweisen. Für Biere, die aufgrund schwerwiegender Mängel den Stil nicht angemessen widerspiegeln, sollten Punkte im Bereich (14-20) vergeben werden. Eine Bewertung unter 13 Punkten (13 oder niedriger) wird normalerweise Bieren zugewiesen, die Mängel enthalten, die so gravierend sind, dass das Bier nicht mehr trinkbar ist. Punkte im Bereich 45-50 spiegeln herausragende Biere wieder, die wirklich Weltklasse sind.

Im Allgemeinen sollten sich die besten Biere eines Wettbewerbs im Punktebereich von 40+ wiederfinden, wobei die Bewertung der Teilbereiche des Bieres die Mängel identifizieren, die es zu einem sehr guten aber eben nicht perfekten Bier machen. Ein Bier, das eine perfekte Punktzahl von 50 erhält, muss in der Tat perfekt sein. Es muss absolut fehlerfrei sein, den Stil genauso gut oder besser als die besten kommerziellen Beispiele darstellen, perfekt in der technischen Ausführung sein und den perfekten Reifegrad wiederspiegeln. Diese Bedingungen unterliegen nicht ausschließlich der Kontrolle des Brauers. Daher ist es äußerst selten, ein perfekte Bier zum idealen Zeitpunkt den Juroren präsentieren zu können.

Wenn Sie Feedback zu sehr guten Bieren geben, ist es wichtig, trotzdem die Möglichkeiten zur Verbesserung des Biers zu ermitteln und diese dem Brauer als Feedback auf dem Bewertungsbogen zurück zu spielen. Jeder schwerwiegende Fehler aber auch das Fehlen eines Stilmerkmals (wie das Fehlen eines Nelkenaromas bei einem bayerischen Weißbier) führt im Allgemeinen zu einer maximalen Punktzahl von 30. 21 Punkte stellt die Grenze dar, unter der ein Bier im allgemeinen nicht mehr dem geforderten Stil entspricht.

Einem Bier, das entweder eine starke Infektion oder einen sonstigen Fehler aufweist, das es untrinkbar macht, sollte eine Punktezahl von 13 zugewiesen werden. Eine Punktzahl von 13 bedeutet, dass das Bier im Wesentlichen nicht trinkbar und damit auch nicht bewertbar ist; niedrigere Werte können als boshaft angesehen werden. Dies ist jedoch nur eine Richtlinie. Wenn die Mängel so schlimm sind, dass selbst eine 13 großzügig ist, können die Juroren auch weniger Punkte vergeben. Bei Bieren mit erheblichen Fehlern ist der Bottom- Up Ansatz oft sinnvoller, weil hier Punkte für die positiven Aspekte des Bieres vergeben werden. Wenn Biere mit niedrigen Punktzahlen bewertet werden oder gar in den Bereich unter 13 Punkte abrutschen, ist es besonders wichtig so viele nützliche Kommentare wie möglich darüber abzugeben, wie der Brauer das Bier verbessern kann. Suchen Sie immer nach positiven Kommentaren zu einem Bier und lassen Sie den Brauer wissen, welche Aspekte des Bieres beachtet werden müssen und wie Fehler behoben werden können um das Bier zu verbessern.

Inhalte teilweise aus dem Englischen von Jan Brücklmeier

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